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Kolumnen-Archiv

29.08.2011
Was spinnt denn da?

04.08.2011
Vorsicht vor Rückwärtsläufern!

15.04.2011
In höherer Gewalt

28.03.2011
A Running Gag

27.01.2011
Trari trara, die Post ist da

01.12.2010
Schenken macht Freude

04.11.2010
Kopf hoch!

28.04.2010
Laufen Sie schon zielorientiert?

18.03.2010
Frauen und Technik, die begeistert!

19.12.2009
Laufend durch ein Flockenmeer

15.08.2009
Leichtathletik kann so schön sein!

18.06.2009
Kleider machen Läufer

20.05.2009
Treat me like a woman

07.05.2009
Die Entdeckung der Langsamkeit

07.04.2009
Frühlingserwachen<

09.03.2009
Berlinalpin Run

12.02.2009
Das Läufertum astrologisch betrachtet

21.01.2009
Neue Extremsportart entdeckt

21.12.2008
Alle Jahre wieder?


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Bild: ©Iso99

Frühlingserwachen

Manche Dinge kommen schleichend und ganz unbemerkt: überflüssige Pfunde, Burn-out, Schmetterlinge im Bauch – und der Frühling. Juliane Jung berichtet über Indizien, an denen aufmerksame Läuferinnen merken, dass Frühling ist ...

Riechen Sie ihn auch schon – den Frühling? Also, ich habe in der letzten Woche unzählige bemerkenswerte Dinge erlebt, die mir alle Zweifel am bevorstehenden Frühling genommen haben: Das erste Schlüsselerlebnis – ich traue es mich fast nicht zu sagen: Ich habe mich verlaufen! Auf meiner Standard-Laufstrecke, die ich in meinem jungen Leben schon mindestens fünfhundertfünfzig Mal gelaufen bin und normalerweise im Schlaf beherrsche! Aber vergangenen Montagabend – wohlgemerkt, nach einem wirklich anstrengenden Arbeitstag – fand ich mich plötzlich in unbekannten Gefilden Schmargendorfs wieder und musste mir schließlich, völlig verschwitzt, für den Rückweg ein Taxi nehmen. Dass der Taxifahrer mich von oben bis unten musterte und sich sein freundliches "Na, nich mehr janz so in Form, wa?" nicht verkneifen konnte, nahm ich ihm nicht übel. Er konnte ja nicht ahnen, dass ich mich erst wieder langsam dran gewöhnen muss, nicht mehr die unendlichen Weiten des Laufbands zurückzulegen, sondern Kurven zu laufen und auf die Strecke zu achten! Vom Fitnessstudio befreit sind Läuferinnen und Läufer! Konzentration statt Kurzweil ist wieder Trumpf – das bedeutet auch: Mit dem entspannten Fernsehen während des Trainings ist es erst mal vorbei. Die Dramen, die man so in Parks und Straßen verfolgen kann – spazierende Seniorinnen, Händchen haltende Paare und geschäftstüchtige Hunde – erscheinen bei Weitem nicht so ergreifend wie die aus der „Verbotenen Liebe“ oder dem „Dschungelcamp“. Nun ja, aber immerhin hörte ich Samstag bei meiner nachmittäglichen Laufrunde fröhliches Vogelgezwitscher – und auch andere Pfeiftöne, die von männlichem Balzverhalten herrühren und die man am besten ignoriert. Auch ist mir aufgefallen, dass ich ungeliebte Verwandte und Bekannte, deren Geschnatter sich Frau aus Pflichtgefühl viele Stunden lang angehört hat, nun viel einfacher abschütteln kann und dafür sogar noch Beifall und Anerkennung ernte: "Am Wochenende? Oh, da geht’s bei mir leider gar nicht – ich steck doch zurzeit mitten in der Marathon-Vorbereitung!"

Aber das beste Indiz für die bevorstehende warme Jahreszeit ist mir gestern eindrucksvoll vor Augen geführt worden: Als mich eine rote Ampel zum Anhalten zwang und ich mich mal umdrehte, bemerkte ich plötzlich, dass sich eine Gruppe junger, freundlich lächelnder Chinesen an meine Fersen geheftet hatte! Die glaubten doch tatsächlich, ich sei die Leiterin irgendeiner neuen "Walking-Aktiv-Stadtführung"! Diesen Schock muss ich jetzt erst mal verdauen!

Genießen Sie die ersten warmen Sonnenstrahlen und achten Sie auf des Frühlings holden, belebenden Blick!



Juliane Jung, 37, ist Simultanübersetzerin und wohnt in Berlin-Mitte. Wenn sie nicht gerade zwischen den Sprachen hin und her switcht, ist sie mit ihrem Terrier Torpedo in Berlin unterwegs. Sie liebt Sport und singt im Chor. Außerdem sammelt und bemalt sie mit Leidenschaft Blumentöpfe.