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Kolumnen-Archiv

29.08.2011
Was spinnt denn da?

04.08.2011
Vorsicht vor Rückwärtsläufern!

15.04.2011
In höherer Gewalt

28.03.2011
A Running Gag

27.01.2011
Trari trara, die Post ist da

01.12.2010
Schenken macht Freude

04.11.2010
Kopf hoch!

28.04.2010
Laufen Sie schon zielorientiert?

18.03.2010
Frauen und Technik, die begeistert!

19.12.2009
Laufend durch ein Flockenmeer

15.08.2009
Leichtathletik kann so schön sein!

18.06.2009
Kleider machen Läufer

20.05.2009
Treat me like a woman

07.05.2009
Die Entdeckung der Langsamkeit

07.04.2009
Frühlingserwachen<

09.03.2009
Berlinalpin Run

12.02.2009
Das Läufertum astrologisch betrachtet

21.01.2009
Neue Extremsportart entdeckt

21.12.2008
Alle Jahre wieder?


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Bild: © Hallgerd – Fotolia.com

Schenken macht Freude

Die Zeiten, als man mit Weihrauch, Gold und Myrrhe als Geschenk gut beraten war, sind schon lange vorbei. Effizientes mehrdimensionales Geschenke-Management ist heute gefordert.

Weihnachten steht vor der Tür und der Run auf die Geschäfte und Internetportale dieser Welt hat begonnen. Strukturiert, wie ich bin, mache ich mir jedes Jahr im November eine Liste, auf die ich die Namen der zu Beschenkenden und jeweils mir passend erscheinende Geschenkideen eintrage. Ganz oben steht die Familie, wie es sich gehört, dann kommen die Freunde und Bekannten. Wenn ich Glück habe, füllt sich die Liste peu à peu mit jedem geöffneten Adventskalendertürchen. Das Ziel, pünktlich zum 1. Dezember alle Geschenke beisammen zu haben, ist mir bisher leider noch nie gelungen.

In den letzten Jahren habe ich zunehmend feststellen müssen, dass eine einfache zweispaltige Tabelle nicht mehr ausreicht, sondern dass eine mehrspaltige Matrix vonnöten wäre. Dass es offenbar darum geht, vernetzt zu denken und zu handeln. Woran ich das festmache? Zum Beispiel daran, dass in der Vorweihnachtszeit immer häufiger das Telefon klingelt und ich zum Beispiel von Mutti, Vati, Tante Elvira, Schwester Karin und Schwager Jürgen gefragt werde, was ich mir denn eigentlich zu Weihnachten wünsche. Mmmh. Ob ich denn einen besonderen Wunsch habe? Mmmh. Mal überlegen. Jetzt kommt es darauf an, etwas auszusuchen, das sich a) für den jeweiligen Schenkenden als Geschenk eignet; b) vom materiellen Warenwert nicht zu teuer, aber auch nicht zu billig ist; c) sich ohne große Probleme besorgen lässt und d) mir auch tatsächlich gefällt. Spontan fällt mir da in der Regel nichts ein und ich vertröste dann meistens nur mit den Worten: "Ich überleg mir was und melde mich die nächsten Tage ..."

Ist es nicht paradox, dass man sich schon seine eigenen Weihnachtsgeschenke auswählen soll und damit dem Schenkenden die Mühen der eigenen Suche abnimmt? Und just, wenn man sich darüber Gedanken macht, was man sich von wem denn eigentlich wünschen sollte, klingelt abermals das Telefon und Mutti meldet weiteren Auskunftsbedarf an: "Sag mal, Vati und ich überlegen gerade, was wir Emma und Luisa schenken könnten. Uns fällt wirklich überhaupt nichts ein. Hast du vielleicht eine Idee?" Zugegeben, Emma und Luisa sind ein harter Brocken: Meinen mittlerweile vor der Pubertät stehenden Nichten kann man nämlich mit Gesellschaftsspielen oder Büchern nicht unbedingt mehr Begeisterungsstürme entlocken. Mmmh. Da die Verzweiflung meiner Mutter deutlich anzumerken ist, gebe ich schließlich einen Vorschlag preis, der auf meiner eigenen Geschenkeliste steht: "Die neue David-Garrett-CD?" Meine Mutter ist sehr erfreut. "Oh, warte mal, das muss ich mir gleich aufschreiben – wie wird der noch mal geschrieben? David Gerhard? Wie man spricht?" Ich buchstabiere geduldig und ärgere mich, dass ich auf meiner eigenen Liste, Absatz "Nichten" nun wieder von Null anfangen darf. Nun wittert meine Mutter Morgenluft. "Und dein Flori? Womit können wir denn deinem Flori eine Freude machen?" Was ich "meinem Flori" schenken soll, das weiß ich noch nicht mal selbst. "Vielleicht eine Krawatte? Die kann er in der Firma ja immer gebrauchen" – "Bloß nicht", antworte ich erschrocken. "Eine Krawattennadel vielleicht?" – "Mutti, bitte!!!" – "Schon gut. Kannst dir ja was überlegen, ich ruf dann morgen wieder an." Tolle Aussichten.

Am Abend kommt Flori nach Hause. Sichtlich genervt. Ob ich ihm nicht helfen könne, für seine Mutter ein Weihnachtsgeschenk aufzutreiben. Ich sei doch eine Frau und wisse, was Frauen sich so wünschen. Und bei der Gelegenheit könne ich mir gleich noch was für seine Schwester einfallen lassen, die habe zwei Tage vor Weihnachten Geburtstag. "Das Päckchen müssten wir dann auch demnächst abschicken." Mit "wir", weiß ich, bin ich gemeint. Inklusive Karte schreiben. Jetzt bin ich auch genervt. "Steht hier: 'Agentur Merry Christmas', oder was?", weise ich auf die Tür.

Fazit: Geschenkemanagement ist ein Phänomen der modernen Konsum- und Informationsgesellschaft, bei der man mehrdimensional denken muss: Man muss sich nicht nur überlegen, was man seinen Lieben schenken könnte, sondern auch, was man von seinen Lieben geschenkt bekommen möchte und was sich die Lieben untereinander schenken könnten. Na dann, fröhliche Weihnachten!



Juliane Jung, 37, ist Simultanübersetzerin und wohnt in Berlin-Mitte. Wenn sie nicht gerade zwischen den Sprachen hin und her switcht, ist sie mit ihrem Terrier Torpedo in Berlin unterwegs. Sie liebt Sport und singt im Chor. Außerdem sammelt und bemalt sie mit Leidenschaft Blumentöpfe.