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Kolumnen-Archiv

29.08.2011
Was spinnt denn da?

04.08.2011
Vorsicht vor Rückwärtsläufern!

15.04.2011
In höherer Gewalt

28.03.2011
A Running Gag

27.01.2011
Trari trara, die Post ist da

01.12.2010
Schenken macht Freude

04.11.2010
Kopf hoch!

28.04.2010
Laufen Sie schon zielorientiert?

18.03.2010
Frauen und Technik, die begeistert!

19.12.2009
Laufend durch ein Flockenmeer

15.08.2009
Leichtathletik kann so schön sein!

18.06.2009
Kleider machen Läufer

20.05.2009
Treat me like a woman

07.05.2009
Die Entdeckung der Langsamkeit

07.04.2009
Frühlingserwachen<

09.03.2009
Berlinalpin Run

12.02.2009
Das Läufertum astrologisch betrachtet

21.01.2009
Neue Extremsportart entdeckt

21.12.2008
Alle Jahre wieder?


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Frauen und Technik, die begeistert!

Frauen und Technik? Dass das kein Widerspruch ist, daran arbeitet Juliane Jung.

Also, bei uns Frauen ist es ja so: Wir gehen los, um ein passendes Kleid für den bevorstehenden Geburtstag der besten Freundin zu kaufen. Und kommen dann mit zwei Paar Schuhen, einer Handtasche, zwei Shirts, einem Bikini und noch diversen Kosmetikartikeln nach Hause. Das Kleid? Ähm, dafür ist ja immer noch Zeit, und zur Not tut's ja auch der Rock vom vergangenen Jahr. So ähnlich erging es mir vergangene Woche: Weil ich dringend neue Laufschuhe brauche, stattete ich meinem Kumpel Frank einen Besuch ab. Er ist in einem Laufschuhgeschäft als Verkäufer beschäftigt und nicht nur Lauf– und Laufschuhexperte, sondern auch mit Leib und Seele Triathlet.

Frank begrüßt mich mit einem Grinsen und den freundlichen Worten: "Na, denn ma ruff uff dit Laufband!" Drei bis vier Minuten beobachtet er aufmerksam, wie ich auf dem Band ins Schwitzen gerate. Dann ruft er: "Stopp! So komm’ wa hier nicht weiter." Ich schaue ihn verdutzt an: "Wieso? Ist was nicht in Ordnung?", keuche ich. "Ich könnt dir’n Paar Schuhe verkofen, aber dit is nich dit Problem." Problem? Ich verstehe nur Bahnhof. "Du musst unbedingt wat für deine Technik machen. Du pronierst rechts, hast einen deutlichen X-Bein-Laufstil, deine Armarbeit ist eine Katastrophe und dein Oberkörper eiert hin und her wie’n Wackelpudding. Wat du brauchst, sind keene Schuhe, sondern Stabilität, Koordination und Kraft!"

X-Beine? Pro…was? Ich bin sprachlos. Da will man schlicht Schuhe kaufen und wird erst mal rundum gemaßregelt! Genau wie beim Friseur, wo ich mir von gestylten Friseurinnen mit Löwenmähne oft anhören muss: "Na, Sie haben aber auch extrem dünnes Haar, ne? Schon mal über 'ne Dauerwelle nachgedacht?" Sehr geschäftsschädigend, solche Aussagen. Und in dem Moment wird mir auch gleich klar, warum ich in Franks Schuhgeschäft die einzige Kundin bin!

Franks deutliche Ansage hat mich schier umgehauen. Bisher habe ich gedacht, Laufen sei nicht nur der einfachste Sport der Welt, sondern die ureigenste Fortbewegungsart. Was hat das mit Technik zu tun? „Quatsch mit Soße!“, erklärt Frank und meint: "Um laufen zu können, muss man nicht nur laufen können!" Aha, das klingt logisch, und ich weiß auch sofort, was er meint. "Pass mal auf", sagt er und schiebt mich zu einem Medizinball, den er hinter der Ladentheke hervorholt. "Schuhe aus und druffstellen", kommandiert er. 'No Problem', denke ich. "Und nun auf einem Bein!", befiehlt er. Immerhin halte ich zwei Sekunden aus, bis ich unvorteilhaft mit beiden Armen rudernd abrutsche. "Siehste", triumphiert er oberlehrerhaft, "wie willst du laufen, wenn du noch nicht einmal stehen kannst?"

Das klingt überzeugend. Also gut. Ich willige ein, etwas für meine Technik zu machen, Koordination, Stabilität und überhaupt, und das mit meinen alten Tretern. Nun muss ich mich mit allerlei Übungsmethoden beschäftigen, deren Sinn nicht auf den ersten Blick zu erschließen ist. So putze ich mir die Zähne nur noch auf einem Bein stehend, gehe Treppen nur noch auf dem Ballen hoch und balanciere in kreativen Pausen im Büro auf einem Ding, das wie eine doppelte Wärmflasche aussieht. Zu Hause im Nachttisch habe ich ein Theraband versteckt, mit dem ich immer vor dem Schlafengehen hantiere – Klinsi hat schon gewusst, was gut für uns ist! Und: Mittlerweile weiß ich sogar, was "rechts pronieren" bedeutet.

Diese Übungen sind bestimmt total gesund und wertvoll und helfen mir, "meinen Laufstil effizienter zu gestalten", wie Frank sagt. Allerdings kann es auf die Umwelt erheiternd wirken, wenn man auf die BVG wartend noch mal eben die Sprunggelenke trainiert. Oder wenn man barfuß, die Schuhe in der Hand, durch den Park läuft und dabei komische Hüpfbewegungen vollführt. Ganz zu schweigen von den mehr oder weniger erfolgreichen Balancierversuchen auf dem Gymnastikball. Und das alles im Dienste der Technik!

Für anhaltende "Stabilitätsfortschritte" will Frank mich ins Fitnessstudio beordern, um mir weitere Übungen zur Rumpfstabilität zu zeigen. Die, nehme ich an, ebenfalls unbequem sind und Muskelkater in Regionen verursachen werden, wo man gar keine Muskeln zu haben glaubte! Und dann blüht mir auch noch Gerätetraining. Mein Gott, worauf hab ich mich da nur eingelassen – und dabei wollte ich doch nur neue Schuhe ...



Juliane Jung, 37, ist Simultanübersetzerin und wohnt in Berlin-Mitte. Wenn sie nicht gerade zwischen den Sprachen hin und her switcht, ist sie mit ihrem Terrier Torpedo in Berlin unterwegs. Sie liebt Sport und singt im Chor. Außerdem sammelt und bemalt sie mit Leidenschaft Blumentöpfe.