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Kolumnen-Archiv

29.08.2011
Was spinnt denn da?

04.08.2011
Vorsicht vor Rückwärtsläufern!

15.04.2011
In höherer Gewalt

28.03.2011
A Running Gag

27.01.2011
Trari trara, die Post ist da

01.12.2010
Schenken macht Freude

04.11.2010
Kopf hoch!

28.04.2010
Laufen Sie schon zielorientiert?

18.03.2010
Frauen und Technik, die begeistert!

19.12.2009
Laufend durch ein Flockenmeer

15.08.2009
Leichtathletik kann so schön sein!

18.06.2009
Kleider machen Läufer

20.05.2009
Treat me like a woman

07.05.2009
Die Entdeckung der Langsamkeit

07.04.2009
Frühlingserwachen<

09.03.2009
Berlinalpin Run

12.02.2009
Das Läufertum astrologisch betrachtet

21.01.2009
Neue Extremsportart entdeckt

21.12.2008
Alle Jahre wieder?


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Laufend durch ein Flockenmeer

Was für ein Tag: Neun Stunden übersetzen – da kann man hinterher nicht mal seinen eigenen Namen buchstabieren. Was fange ich mit meinem lang ersehnten Feierabend an? Couch, Fernsehen und Pizza Vier Jahreszeiten – oder laufen und Sauerstoff tanken? Es siegt meine Drang nach Bewegung – wobei ja nichts dagegen spräche, sich hinterher mit einer leckeren Pizza zu belohnen.

Seit ein paar Stunden rieselt leise der Schnee. Ich packe mich in mehreren Schichten ein (Zwiebelprinzip, nennt das der Experte), stülpe dicke Socken über und schnüre die Laufschuhe. Mütze und Handschuhe nicht vergessen, Schlüssel einstecken – klar, Torpedo, du kommst natürlich auch mit! – und nichts wie raus aus der guten Stube in die frostige abendliche Winterluft.

Meinen Berliner Lieblingsweg, den Havelhöhenweg, ziert bereits ein leichter, samtiger Schneeteppich. Es läuft sich angenehm weich und viel besser als im Sommer, wo einem schon nach wenigen Kilometern der Schweiß auf der Stirn perlt. Mit den ersten, fast lautlosen Schritten vergesse ich das Meeting, den Stress, die Stadt. Ich fühle mich wie verzaubert. Verzaubert von der Stille, die mit jeder Flocke vom Himmel fällt und sich im Wald ausbreitet. Wunderbar ist es, durch dieses Flockenmeer zu laufen, die Kristalle im Gesicht zu spüren, die kitzeln, pieksen und erfrischen. Und während ich ab und zu die eine oder andere mit dem Mund erhasche, atme ich die klare, reine Waldluft. Der Geruch von Schnee, von Winter, von Frische treibt mich an. Welch ein Glück, welch eine Wohltat, diesen Flecken Erde laufend zu genießen. Jede Zelle meines Körpers scheint aus dem Winterschlaf erwacht, in mir frohlocken die Lebensgeister. Selbst Torpedo spürt offenbar mein Hochgefühl und trabt andächtig neben mir her. Ich möchte heute kein Ende finden. Von Anstrengung ist nichts zu spüren, im Gegenteil, meine Beine tragen mich wie von selbst.

Nach etwa anderthalb Stunden bin ich wieder zu Hause, mit warmen Füßen und Händen, glühendem Gesicht und weiß bedeckter Mütze. Jetzt eine warme Dusche, ein heißer Punsch und die Beine hochlegen. Torpedo bettelt noch um ein kleines Abendmahl. Ich dagegen habe auf meine Pizza Vier Jahreszeiten plötzlich gar keinen Appetit mehr. Das herrliche Lauferlebnis und das gute Gefühl, dass ich mich auch bei Winterwetter zum Laufen überwinden konnte, sind Belohnung genug ... Verholfen hat mir dazu wieder einmal Mutter – Natur natürlich!

Laufen Sie gut durch den Winter –
"Die Luft riecht schon nach Schnee"
(Sarah Kirsch)



Juliane Jung, 37, ist Simultanübersetzerin und wohnt in Berlin-Mitte. Wenn sie nicht gerade zwischen den Sprachen hin und her switcht, ist sie mit ihrem Terrier Torpedo in Berlin unterwegs. Sie liebt Sport und singt im Chor. Außerdem sammelt und bemalt sie mit Leidenschaft Blumentöpfe.